Auf nach Kilmainham Gaol: Geschichte im Gefängnis

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Kilmainham Gaol im gleichnamigen Stadtteil von Dublin liegt rund 3 Kilometer vom Zentrum entfernt und ist ein ehemaliges Gefängnis mit spannender Geschichte. Heutzutage beherbergt es ein Museum und ist ein nationales Denkmal. Führungen kosten 8 Euro und dauern rund 1 Stunde. Wer Dublin ist, muss unbedingt einen Abstecher nach Kilmainham machen – informativ und spannend.

Erbaut wurde Kilmainham Gaol 1796 und die letzten Gefangenen saßen 1924 ein. Viele Anführer der irischen Rebellionen waren Insassen des Gefängnisses. Bereits 1798 wurden die Anführer der Rebellion im selben Jahr inhaftiert. In den folgenden Jahrhunderten endeten viele Aufstände der Iren gegen die britische Herrschaft in Kilmainham.

Kilmainham Gaol (Bild Andre Borbe)
In Kilmainham Gaol saße nicht nur politische Gefangene, sondern auch Straftäter, die nach Australien verschifft wurde, und Kinder, die Essen gestohlen haben. (Bild: Andre Borbe)

Die Große Hungersnot

Neben den politischen Gefangenen saßen aber auch ganz normale Bürger in den Zellen. Vor allem während der irischen Hungersnot – auch bekannt als Große Hungersnot – von 1845 bis 1852 wurden Bürger für kleinste Verbrechen inhaftiert. Manche davon auch freiwillig, weil in Kilmainham immerhin regelmäßig eine Mahlzeit wartete. Aber auch für das Vergessen seines Bahntickets musste Menschen hinter Gittern.

Das Alter spielte damals keine Rolle. Selbst Fünfjährige, die vor Verzweiflung zum Diebstahl gezwungen wurden, musste zum Teil für 2 Monate in Kilmainham einsitzen. Bis zu 4000 Insassen durchliefen durchschnittlich das Gefängnis. Zu Beginn war das Gefängnis so konzipiert, dass pro Zelle nur ein Insasse lebte. Später musste sich die Gefangenen auf den Fluren einen Schlafplatz suchen, weil alle Zellen bereits überfüllt waren. Grund dafür war, dass die Briten Kilmainham Gaol bis ins 19. Jahrhundert auch als Zwischenlager für Kriminelle nutzten, die nach Australien verschifft wurden.

Der Osteraufstand und das Ende von Kilmainham

Anfang des 20. Jahrhunderts spielte Kilmainham wieder eine Rolle in einer irischen Rebellion. Ostern 1916 versuchten einige Rebellen ein weiteres Mal einen Umsturz der britischen Herrschaft und die Errichtung der Irischen Republik. Eine Woche lang verschanzten sich Rebellen unter der Führung von Patrick Pearse, James Connolly, Thomas Clarke, Éamonn Ceannt, Cornelius Colbert, Edward Daly, Seán Heuston, John MacBride, Seán MacDiarmada, Thomas MacDonagh, Michael Mallin, Michael O’Hanrahan, William Pearse und Joseph Mary Plunkett in ganz Dublin.

Pearse proklamierte die Irische Republik, musste allerdings sechs Tage später kapitulieren, weil er noch mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung verhindern wollte. Bei der Festnahme durch britische Truppen, wurden die Rebellen von den Einwohner Dublins beleidigt und beworfen. Die Rebellion wurde von vielen abgelehnt unter anderem, weil große Teile der Stadt zerstört wurden.

Die 14 Anführer wurden zum Tode verurteilt und bis zu ihrer Hinrichtung in Kilmainham Gaol inhaftiert. Dort konnten sie sich von ihren Familien verabschieden. Plunkett nutzte die Möglichkeit, um seine Verlobte in der Nacht vor seiner Exekution zu heiraten. Die Hinrichtungen durch die britische Armee führten aber nicht, wie gewünscht, zu einer Beruhigung der Situation, sondern entfachten einen Anstieg der republikanischen Bewegung. Das lieg unter anderem daran, dass die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfanden. Vor allem aber die Exekution von Arbeiterführer Connolly erregte weltweit für Aufruhr. Der Gewerkschafter wurde während des Osteraufstands schwer verwundet und die Überlebenschancen wurden von seinen Ärzten als sehr gering eingeschätzt. Dennoch bestand die britische Armee auf seine Hinrichtung. Weil er nicht mehr stehen konnte, wurde Connolly auf einem Stuhl festgebunden.

Nach diesen Ereignissen hat Großbritannien Kilmainham Gaol geschlossen. Allerdings währte dies nur 3 Jahre. Im Zuge des Anglo-Irischen-Kriegs wurde es bald wiedereröffnet. Mit der Unabhängigkeit Irlands im Jahr 1921 übernahm der neue Irische Freistaat die Kontrolle über das Gefängnis. Dennoch wurden weiterhin Republikaner hingerichtet, da es nach der Unabhängigkeit zum Bürgerkrieg von 1922 bis 1923 kam. Dabei stritten sich die Befürworter und Gegner des anglo-irischen Vertrags, der den Irischen Freistaat begründete.

Erst 1924 endete die aktive Zeit in Kilmainham Gaol und das Gefängnis wurde für immer geschlossen. Das Gebäude verfiel in den Jahrzehnten danach, bis in den 1960er Jahren der Entschluss getroffen wurde, aus Kilmainham ein nationales Denkmal zu schaffen. Neben Führungen kann das Gefängnis auch in einigen Filmen gesehen werden.

Unter anderem wurde dort Szenen von „Michael Collins“, „Charlie staubt Millionen ab“, „Im Namen des Vaters“ und „The Wind That Shakes the Barley“ gedreht.

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Andre
Beruflich als IT-Journalist unterwegs und privat gerne mit der Kamera durch München und Umgebung.
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